Das XXL Federvieh

Der Strauß ist der Vogel der Superlative – und nein, er steckt den Kopf nicht in den Sand.

Es ist bereits einige Wochen her, da konnte ich mit meiner Freundin Heike und ihrer Mutter die Straußenfarm in Stockach im Hegau am Bodensee besuchen. Sogar Petrus hatte erbarmen mit uns, nachdem es davor und danach eher feucht-kühle Tage waren. Die gut zweistündige Führung war unterhaltsam und lehrreich zugleich.

Unglaublich welches Potential dieser Vogel aus Afrika besitzt! Er ist mit über 2 Metern Höhe nicht nur der größte Vogel der Welt, sondern mit bis zu 70 km/h hängt er auch so manchen Vierbeiner in freier Wildbahn ab und ist damit das schnellste zweibeinige Tier. Ein Tritt mit seinen starken muskulösen Beinen kann sogar für einen Löwen tödlich enden. Die beiden bis zu 10 cm langen Krallen sind messerscharfe Waffen. Er kann bis zu 1,50 Meter hochspringen. Aber der Zaun am Gehege ist unten gut 50 cm offen, denn unten durch versucht er erst gar nicht. Seine Augen haben Tischtennisballgröße und sehen mehrere Kilometer gestochen scharf. In den Savannen, seinem natürlichen Lebensraum, behält er so den besseren Überblick vor Feinden. Hat er die überhaupt? So schnell legt sich kein anderes Tier mit einem Strauß an! Die 5 cm Durchmesser des Auges übertreffen dabei die Größe seines Hirns. Der Kopf ist im Verhältnis zum Vogel klein, da ist nicht viel Platz. Und doch ist er nicht so dumm, wie ihm oft nachgesagt wird. Nur fliegen kann er trotz großer Flügel und vieler Federn nicht.

Strauße sind von Natur aus keine reinen Vegetarier, werden auf Farmen wie hier aber nur mit Gras, Heu und Silagen gefüttert. Für die Verdauung benötigen die Tiere Steine, die sie verschlucken. Damit wird das Futter im Magen zerkleinert. Gekaut wird nicht. Ein Apfel wird gleich im Ganzen verschluckt und wandert gut sichtbar den Hals entlang in den Vogel.

Alle 48 Stunden legt die Henne ein Ei. Dabei legen alle Hennen einer Gruppe die Eier in ein gemeinsames Nest. Dieses Ei entspricht etwa 25 oder mehr Hühnereiern und hat ein Gewicht von 1200-2000 Gramm. Da geht sich Rührei von nur einem Ei schon mal für 10-12 Personen aus! In freier Wildbahn brütet nachts der Hahn und tagsüber die Henne. Die natürliche Brutzeit liegt bei 42-46 Tagen. In der Farmhaltung werden die Eier jedoch in Brutkästen ausgebrütet und die Küken anfangs unter Wärmelampen gehalten, bis sie groß genug für den Straußen-Kinderkarten sind. Hier verbringen sie die ersten Wochen noch in geschlossenen Räumen, um sie vor Fraßfeinden zu schützen. Denn natürlich gibt es diese auch in unseren Breiten. Füchse, Marder und Greifvögel wie Bussarde und Milane sind so einem Leckerbissen nicht abgeneigt.

Apropos Leckerbissen: das ist auch der Grund für die Farmhaltung dieser Tiere. Ihr Fleisch gilt als sehr proteinreich, fettarm und schmackhaft. Obwohl Strauße zum Geflügel zählen, ist ihr Fleisch eher mit zartem Rindfleisch vergleichbar. Da Strauße kein Brustbein besitzen, wird ihr Muskelfleichs gerne als Steak angeboten. Darüber hinaus wird es zu Grillspezialitäten, Gulasch, Würsten und vielem mehr verarbeitet. Aus der Haut wird Leder hergestellt. Die Federn sind beliebt für den klassischen Staubwedel oder Dekoration. Auch die Eierschalen finden Verwendung. Die Schlupfschalen dienen dabei für Blumen, Gestecke und andere Dekorationen. Aus ausgeblasenenen Leer-Eiern werden Lampen und Dekogegenstände. Preislich bewegt sich das Fleisch im Bereich von hochwertigem Bio-Rindfleisch.

Ich habe mir ein Schlupfei und ein Leer-Ei aus dem Shop vor Ort mitgenommen. Zu Hause wurde das von meinen beiden Fellnasen interessiert begutachtet. Für die beiden habe ich ein paar Straußenfedern zum Spielen mitgenommen. Besonders Felix liebt Federn über alles. Um auf Nummer Sicher zu gehen, wurden die Federn vorher gründlich mit Seife und warmen Wasser gewaschen und getrocknet. Sogar Momo findet Gefallen an ihrer großen Feder.

Und woher kommt nun der Glaube, dass Strauße den Kopf in den Sand stecken, um sich zu verstecken? Das tun sie natürlich nicht. Der Mythos dürfte aus einer optischen Täuschung entstanden sein. Strauße senken den Kopf nur, wenn sie Futter aufnehmen, das Ei wenden oder Steine aufnehmen. Droht Gefahr, legen sie sich auf den Boden und strecken den Hals gerade aus. Dies könnte von weitem so aussehen, als würden sie den Kopf in den Sand stecken.

Zum Abschluss noch ein Funfact: Strauße gähnen bevor sie sich Schlafenlegen.

Für alle, die neugierig geworden sind, hier noch der Link zur Straußenfarm Hegau-Bodensee: https://www.straussenfarm-hegau-bodensee.de/

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