Eine Schrauben-Odyssee

Bei mir ist nicht eine Schraube locker, sie ist einfach durchgerostet. Wer denkt, dies ist schnell behoben, der irrt gewaltig. Schrauben gibt es viele, aber diese Eine, die gibt es eben nicht so einfach zu kaufen.

Es sind die unerwarteten bösen Überraschungen, die einen gerne aus dem Tritt bringen und Stress verursachen. So wieder einmal gestern am frühen Abend.

Ich war an der Vorbereitung für das Abendessen, wasche den Salat und greife in den Unterschrank unter der Spüle nach einem Deckel. Verwundert stelle ich fest, es sind eingetrocknete Flecken an der Oberseite des Deckels. Ich nehme noch einen Deckel heraus und siehe da, dieser ist nass! Da schrillen im Hinterkopf sofort einige Alarmglocken – Wasser unter der Spüle! Und ja, da war tatsächlich Wasser im Unterschrank. Ganz unten nicht viel, aber das Zwischenbrett war sogar schon leicht aufgequollen. Es muss daher schon ein paar Tage ein Leck geben.

Also gibt es erstmal kein Abendessen, sondern der Unterschrank muss ausgeräumt werden. Leider ist das ausgerechnet der Eckunterschrank mit einer schmalen 30 cm Türe. Somit leider eine enge Öffnung für einen großen Schrank und alles etwas schlecht zugänglich. Darin befinden sich in erster Linie Töpfe und andere Kochgeschirre, die ich recht selten brauche. Entsprechend verstaubt ist das eine oder andere Teil und der Schrank selbst natürlich auch. Aus Ausräumen und Wasser wegwischen wird so gleichzeitig auch eine ungeplante Putzeinlage.

Anschließend war das Leck glücklicherweise schnell geortet. Der Abfluss des Beckens war undicht und das Wasser floss direkt in den Unterschrank. Erste Maßnahme war daher eine passende Schüssel im Schrank unterzustellen. Auf der weiteren Suche nach der Ursache hob ich im Becken der versenkbaren Siebeinsatz heraus. Das mache ich regelmäßig zur Reinigung. Dabei fiel mir auf, dass der Ausfluss im Becken leicht wackelte. Nicht nur das, ich konnte ihn einfach herausheben! Logisch, dass unter dem Becken der Abfluss nicht dicht war. Aber warum ist das plötzlich so?

Da ist mittig eine Schraube, die den Einsatz mit dem Ablauf verbindet und so alles stabilisiert. Ich habe diese Schraube noch nie gelöst. Und jetzt war sie plötzlich lose. Nein, sie war nicht lose, sie war durchgerostet und abgebrochen! In diesem Moment fragte ich mich, wie man unmittelbar in einem Ausfluss, wo ständig Flüssigkeit durch fließt eine so banale Schraube verbauen kann. Andererseits war ich einigermaßen erleichtert, dass das Problem “nur” an einer Schraube lag. Also alles abmontiert, gereinigt und eingepackt.

Anschließend gab es mit 1,5 Stunden Verspätung doch noch ein Abendessen. Und auch Kater Felix hatte die Verzögerung überlebt und war nicht verhungert. Das wäre das weitaus größere Dama gewesen!

Heute Morgen ging es vor der Arbeit auf Schraubenjagd. Erster Zwischenstopp der Baumarkt mit dem Slogan “Mach dein Projekt” in Hohenems. Keine Schraube, so eine Spezielle führen sie nicht! Sie schicken mich weiter zum Fachmarkt nach Dornbirn. Aber auch da, keine passende Schraube, weil der Sanitärbereich seit längerer Zeit nach Schwarzach ausgelagert ist. Also weiter nach Schwarzach. Dort ist neben einem Schauraum ein eher unscheinbarer Abholmarkt für Handwerker. Also die werden doch jetzt wohl eine passende Schraube haben! Nein, haben sie auch nicht. Aber immerhin führen sie Produkte der Firma FRANKE und man könnte daher dort anfragen. Dafür brauchen sie aber erst die genaue Bezeichnung des Beckens, eine Modellnummer oder zumindest ein Foto des ganzen Beckens von oben und unten. Es wird noch besser: Die Schraube allein wird es sehr wahrscheinlich nicht geben. Ich müsste den ganzen Auslass neu kaufen! Ich glaub mein Schwein pfeift! Gehts noch?

Ich fahre weiter ins Büro nach Bregenz. Alle Stationen lagen glücklicherweise mehr oder weniger auf dem Weg dahin. Wäre ich also nur wegen der Schraube losgefahren, hätte ich inzwischen eine kleinere Ländle-Tour durchs Rheintal gemacht und noch immer keine Schraube.

Wozu gibt es das WorldWideWeb? Ich mache mich dort auf die Suche und werde relativ schnell fündig. Meine gebrochene Schraube hatte ich ohnehin dabei und habe sie millimetergenau vermessen.  Bitte was? Diese eine Schraube kostet als Original-Ersatzteil von FRANKE sage und schreiben EUR 30,00!!! Wir reden bitte von einem einzigen Stück! Die haben doch nicht alle Latten am Zaun! Wenn die alle paar Jahre durchgerostet ist, dann wird das bald ein vergoldetes Spülbecken.

Ich gebe nicht so schnell auf und suche weiter. Beim Original habe ich genaue Maße und Modellnummern angeführt und kann so präziser suchen. Und siehe da, ich finde einen Doppelpack mit 2 Stück “kompatiblen” Schrauben für FRANKE zu dieser Modellnummer um ganze EUR 11,00! Da musste ich nicht lange überlegen und habe eine Packung bestellt. Ein kleines Restrisiko bleibt natürlich, ob das nun die korrekte Schraube ist und sie am Ende passt. Aber, no risk, no fun! Ich bin guten Mutes, dass ich das richtige Schräubchen bekomme. Wenn sie passt, dann werden gleich weitere auf Reserve nachgekauft.

Was lerne ich daraus wieder einmal? Kleine Probleme können sehr schnell zu großen werden. Und künftig besser zuerst das Web befragen!

Und inzwischen wird improvisiert mit Schüssel oben und Schüssel unten.

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